Golf an heißen Sommertagen

Unser Clubmitglied Dr. Gerd Kindl gibt nützliche Tipps

Golfspielen bei großer Hitze, intensiver Sonne, hoher Luftfeuchtigkeit und evtl. hohen Ozonkonzentrationen ist anstrengend und eine große Belastung für den Organismus. Besonders Golfspieler im Seniorenalter und Personen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege oder Herz-Kreislaufproblemen müssen sich gut überlegen, ob sie unter solch extremen Bedingungen spielen wollen. Es drohen Atemnot, Herzrhythmusstörungen, die Infarktgefahr nimmt zu. Bei Diabetikern besteht die Gefahr, dass der Blutzucker zu stark absinkt („Hypoglykämie“). Bei beständig hohen Temperaturen erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt ab. Die Folgen sind Schwindel, Schwächeanfälle und im schlimmsten Fall ein Kreislaufkollaps. Selbst ein Profigolfer wie John Daly ist bei einem Turnier mit Temperaturen über 32 Grad auf dem Golfplatz zusammengebrochen und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Treibstoff für die Konzentration: Regelmäßig und kleine Portionen essen

Um vier bis fünf Stunden Golf bei großer Hitze durchzustehen, hat der Körper einen hohen Energiebedarf. Wichtig für den Golfer ist, die Konzentration über die gesamte Spielzeit aufrecht zu erhalten. Muskeln und Gehirn brauchen deshalb „Treibstoff“, der in Form von Kohlenhydraten (verschiedene Zuckerarten) mit der Nahrung geliefert wird. Ein kohlenhydratreiches Frühstück z. B. mit einem Obstmüsli oder Nudeln füllt die Energiespeicher auf. Belegte Brote und Semmeln, Bananen und Äpfel sind ideale Zwischenverpflegungen. Geschmacklich gut sind die industriell hergestellten Energieriegel mit Eiweiß und mit einem hohen Kohlenhydratanteil. Fette, schwer verdauliche Speisen, die lange „im Magen liegen“, sollte man unbedingt vermeiden. Das beliebte Weißwurstfrühstück ist also nicht empfehlenswert.

Elektrolyte gegen die Ermüdung: Rechtzeitig und regelmäßig trinken

Während des Spiels soll ausreichend Flüssigkeit getrunken werden. Reines Wasser reicht nicht aus, die Zufuhr von elektrolythaltigen, also isotonischen Getränken vor allem mit Magnesium ist absolut notwendig, z. B. Apfelschorle. Je nach Umgebungstemperatur und Art des Geländes (eben oder bergig) werden mindestens zwei Liter empfohlen. Getränke kühl aber nicht eiskalt trinken.

Folgende Hitzeschäden drohen bei falschem Verhalten

  • Hitzekrämpfe. Die Produktion von Schweiß ist eine wirksame Reaktion des Körpers, um sich vor Überhitzung zu schützen. Durch die Verdunstung wird der Körper gekühlt. Schwitzen ist also gut. Aber bei einem Golfspiel von vier bis fünf Stunden verliert man an heißen Tagen extrem viel Schweiß über die Haut, die Atemluft und den Urin (Gefahr der Dehydrierung). Durch den Verlust an Flüssigkeit dickt das Blut ein und die engen, peripheren Gefäße an Beinen, Armen und besonders am Kopf werden schlechter durchblutet. Bei älteren Menschen arbeiten die Schweißdrüsen nicht mehr so effektiv, der Kühleffekt ist geringer und die Überhitzung tritt rascher auf. Außerdem lässt das Durstgefühl im Alter nach. Mit dem Schweiß verliert man aber nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralien wie Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium („Elektrolyte“), die die Erregbarkeit und Kontraktion der Muskeln steuern. Die Folgen sind rasche Ermüdung, Nachlassen der Konzentration, Neigung zu Muskelkrämpfen oder unkontrollierbare Muskelzuckungen. Ein ruhiges Putten oder rhythmische Schwünge sind dann nicht mehr möglich.
  • Sonnenstich. Lang dauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf kann Beschwerden verursachen, die denen einer Hirnhautentzündung ähnlich sind. Besonders gefährdet sind Männer mit spärlichem Haarwuchs oder Glatze. Durch die tief in die Haut eindringenden Infrarotstrahlen („Wärmestrahlen“) wird die Temperaturregelung gestört, die Körpertemperatur steigt an. Man bekommt das Gefühl, stark überhitzt zu sein, verspürt Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen oder Übelkeit.
  • Hitzschlag. Bei großer Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und geringem Luftstrom funktioniert die Abkühlung durch Schweißverdunstung nicht mehr richtig. Es kommt zu einem Wärmestau mit einem Temperaturanstieg bis zu 40 Grad. Die Haut ist gerötet, trocken und heiß, der Puls ist schwach, rasend und unregelmäßig.
  • Hitzekollaps. Ein Hitzekollaps ist die Folge eines Kreislaufzusammenbruchs. Ursache ist der Versuch des Organismus, die Wärme an der Körperoberfläche durch maximale Weitstellung der Gefäße abzugeben. Das Blut versackt in den peripheren Gefäßen, der Blutdruck sinkt ab, der Rückfluss des Blutes zum Herzen ist vermindert, das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauersoff versorgt. Ein Hitzekollaps beginnt mit Sehstörungen, Schwindelgefühl und Pulsbeschleunigung.

Erste Hilfemaßnahmen bei Hitzeschäden

  • Golfspiel sofort beenden
  • Person in eine schattige, kühlere, gut belüftete Umgebung bringen
  • Kleidung öffnen, Beine hochlagern
  • Kalt-feuchte Umschläge auf Kopf, Stirn und Gesicht legen
  • bei Krämpfen: Waden leicht massieren, Dehnübungen
  • viel zu trinken geben
  • längere Zeit ruhig sitzen bleiben oder hinlegen
  • bei Bewusstseinstrübung oder Verwirrtheit Notarzt anfordern

Allgemeine Verhaltensregeln an heißen Sommertage

  • leichte, luftige Kleidung
  • Kopfbedeckung
  • langsam gehen
  • wenn möglich mit einem Cart fahren (Schatten durch das Autodach, kühlender Fahrtwind)
  • Arme, Stirn und Nacken öfter mit Wasser kühlen (z. B. aus den Leitungen in Schutzhütten oder aus Bächen)
  • so oft wie möglich den Schatten aufsuchen
  • auf den Sitzbänken an den Abschlägen Ruhepausen einlegen
  • keine alkoholhaltigen Getränke vor und während des Spiels

Kein Abschlag ohne Sonnenschutz: MEIDEN - KLEIDEN - CREMEN

Vorrangiges Ziel ist es, einen Sonnenbrand zu vermeiden („Akuter Sonnenschaden“). Dieser wird durch die UVB-Strahlen der Sonne verursacht. Die Haut reagiert mit Rötung, Brennen, Juckreiz und je nach dem Grad der Verbrennung sogar mit Blasenbildung. Das Heimtückische ist, dass man die ersten Reaktionen erst nach Stunden verspürt, für Schutzmaßnahmen ist es dann zu spät. Dagegen sind Sonnenschäden wie eine beschleunigte Hautalterung und die verschiedenen Hautkrebsformen (Golfer sind besonders gefährdet!) erst nach Jahrzehnten sichtbar („chronische Lichtschäden“). Dabei spielen neben den UVB-Strahlen auch die UVA-Strahlen der Sonne eine große Rolle. Die Sonnenschutzmittel der heutigen Generation schützen vor beiden Strahlenarten.

Schatten suchen

Im Sommer ist die Mittagssonne am intensivsten, vor allem natürlich im Süden Europas. Am besten spielt man deshalb frühmorgens bis in den späten Vormittag oder vom Nachmittag in den beginnenden Abend. Natürlich kann man sich bei einem Turnier die Spielzeit nicht aussuchen. Aber man kann der Sonne so oft wie möglich aus dem Weg gehen und den Schatten aufsuchen, z. B. unter Bäumen entlang der Fairways gehen, einen Schirm aufspannen oder beim Warten am nächsten Abschlag sich auf eine Bank im Schatten setzen.

Leichte Kleidung und Kopfbedeckung

Bei Hitze neigt man dazu, möglichst wenig anzuziehen. Ärmellose und schulterfreie T-Shirts oder Hot Pants mögen sexy wirken, dafür holt man sich an den ungeschützten, meist blassen Körperstellen rasch einen heftigen Sonnenbrand. Sinnvoll sind helle Blusen oder Polohemden, leichte lange Hosen mit atmungsaktivem schweißaufsaugenden Material, die keinen Hitzestau verursachen. Eine Kopfbedeckung, die auch etwas Luft durchlässt, ist jedem zu empfehlen. Strohhüte mit breiter Krempe geben auch dem Gesicht Schatten. Möglichst leichte, helle Golfschuhe tragen.

Sonnenbrillen in jedem Alter

Bei einer übermäßigen Einwirkung der UVB-Strahlen der Sonne auf die Augen kommt es zu Entzündungen der Hornhaut („Photokeratitis“) und der Bindehaut („Konjunktivitis“). Die Augen sind gerötet, brennen, tränen und man verspürt ein Fremdkörpergefühl. Diese Beschwerden kann man mit Augentropfen gegen Entzündungen lindern (im Bag mitnehmen). Die gravierendste Folge einer wiederholten intensiven Einwirkung von Sonnenstrahlen auf die Augen ist die Makuladegeneration, die im Lauf der Jahre zu einem totalen Sehverlust führen kann. Eine Sonnenbrille, die wirksam vor den ultravioletten Strahlen schützt, ist für jeden Golfspieler - auch schon im jugendlichen Alter – absolut Pflicht.

Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor

Bei einer 18-Loch Runde ist man vier bis fünf Stunden der Sonne ausgesetzt. Die Folgen einer so langen Sonneneinwirkung auf die Haut werden vielfach unterschätzt. Besonders in südlichen Ländern. Ich rate deshalb dringend dazu, ein Sonnenschutzprodukt mit einem hohen Lichtschutzfaktor (mindestens 30 bzw. 50) zu verwenden, um über die gesamte Spielzeit geschützt zu sein. Golfspieler mit einer blassen, sonnenempfindlichen Haut oder Personen, die auf Sonnenstrahlen mit Hautjucken oder Pusteln reagieren („Sonnenallergie“) oder bei denen schon Vorstufen zum Hautkrebs („Aktinische Keratosen“) vorliegen, sollten generell Produkte mit Faktor 50 plus (sehr hoher Schutz) auftragen. Möglichst wasserfeste Produkte verwenden.

Wichtig ist, dass das Sonnenschutzmittel richtig angewendet wird

  • Das Gesicht frühzeitig, d. h. schon vor dem ersten Abschlag einreiben.
  • Nicht vergessen: Ohrläppchen, Handrücken, Nacken. Bei kurzen Hosen Knie und Waden, bei kurzärmeligen Hemden Unterarme.
  • Eine ausreichende Menge auftragen („Viel hilft viel“) und gleichmäßig auf der Haut verteilen.
  • Das Einreiben mehrmals wiederholen, vor allem , nachdem der Schweiß mit einem Tuch abgewischt wurde (Sonnenschutzmittel im Bag mitnehmen).
  • Lippen mit UV-Stiften schützen.