Pflegemaßnahmen
An dieser Stelle berichten wir Ihnen in loser Folge über Pflegemaßnahmen der Greenkeeper vom Golfclub München Eichenried.
» Was bedeutet „Aerifizieren“?
» Gesunde, treue und schnelle Grüns dank Drill & Fill-Maschine
» Vertikutierarbeiten auf den Grüns
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Was bedeutet „Aerifizieren“?
Viele verschiedene Arbeitsgänge verbergen sich hinter dem Wort Aerifizieren. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei unterschiedliche Maßnahmen, je nachdem Bodenmaterialien entnommen werden oder nur Löcher gestochen werden.
Beim hollow coring/ drill and fill/ graden/ verti-drain (Hohlspoons) wird Filz, Sand und/oder Humus entfernt, während beim Stacheln/ Spiken / Schlitzen/ pencil tines/ verti quake/ verti-drain (Vollspoons)/ hydroject keine Bodenmaterialien entnommen werden. Dennoch versteht man unter all diesen Arbeitsschritten das Belüften des Bodens, also Aerifizieren.
Der Bodenverdichtung entgegen wirken
Beim hollow coring werden bis zu 9 cm tiefe und bis zu 2 cm dicke Löcher in die Rasenfläche gestochen und dabei wird ein „Stöpsel“ (core) entfernt. Die Löcher werden anschließend mit reinem Sand und/oder einem Sandgemisch aus Sand und Bodenhilfsstoffen, wie z. B. Algen befüllt. Durch diesen Vorgang wird die Bodenverdichtung aufgebrochen, es erfolgt ein Gasaustausch, der das Bodenleben der aeroben Bakterien und das Rasenwachstum fördert.
Für eine feste, ebene Spielfläche
Im Anschluss daran kann eine Nachsaat mit oder ohne Bodenhilfsstoff/ Düngung durchgeführt werden. Normalerweise wird auf Golfgrüns die Gesamtfläche nach dem Aerifizieren nachgesandet, eingeebnet, gewalzt und abgeschleppt. In Eichenried ersparen wir uns den Arbeitsschritt des Nachsandens. Bei uns wird nach dem hollow coring, also dem „Löchern“ des Bodens, die Fläche meistens mit dem Backfill Graden bearbeitet, um damit nicht nur mehr Filz zu entfernen, sondern auch die Löcher mit dem überschüssigen Sand zu füllen. Ein weiterer Vorteil ist die damit erreichte feste, ebene Spielfläche.
Das Aerifizieren wird meist vor einem saisonalen Wachstumsschub des Rasens durchgeführt, also Anfang Mai, ab Mitte August und/oder am Saisonende. Je nach Boden und Klimaverhältnissen bzw. bedingt durch den Spielbetrieb können Zeitpunkt und Häufigkeit auch variieren.
Möglichst wenig Einfluss auf den Spielbetrieb
Bei der zweiten Variante, dem so genannten Stacheln/ Spiken/ Schlitzen/ pencil tines/ hydroject, werden kleine Löcher in den Boden gestochen und ein Nachsanden ist nicht immer notwendig. Dies kann das ganze Jahr über – außer bei Schnee und Frost - durchgeführt werden, ohne dass großer Einfluss auf den Spielbetrieb genommen wird. Ein verwandter Arbeitsgang ist das Vertikutieren. Wenn größere Werkzeuge eingesetzt werden, z. B. beim verti –drain/ Verti quake, hat das den Vorteil, dass die Bodenverdichtung verringert und Staunässe beseitigt/ vermieden wird. Der Nachteil hierbei ist, dass diese Maßnahme den meisten Einfluss auf den Spielbetrieb hat und daher oft erst am Ende der Spielsaison durchgeführt wird.
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Gesunde, treue und schnelle Grüns dank Drill & Fill-Maschine
Im Bereich Greenkeeping gehört der Golfclub München Eichenried zu den Vorreitern. 2006 bereits hat Eichenrieds Head-Greenkeeper Andrew Kelly den damaligen Geschäftsführer Dieter von Restorff davon überzeugt, die aus England stammende Drill & Fill-Maschine anzuschaffen. Damals hatte der Golfplatz Gut Kaden mit diesem Tiefen-Aerifizierer seine alten Grüns wieder auf Profi-Niveau gebracht. Eichenried hat mit dieser weitblickenden Investition das kostspielige Abtragen und Neuaufbauen der alten 18 Grüns verhindert.
Bis zu zweimal jährlich wird das segensreiche Gerät mittlerweile auf allen 27 Eichenrieder Grüns eingesetzt und auch häufig gegen Gebühr an befreundete Golfclubs ausgeliehen. Ein durchaus lohnendes Geschäft, denn immer mehr Golfanlagen merken, dass ihre Grüns in die Jahre kommen, durch Pilzbefall und mangelnde Drainage an Qualität einbüßen.
Kein Paradox: gelockerter Unterboden bewirkt Festigkeit
Die Eichenrieder Grüns werden nicht nur von den Profis der BMW International Open immer wieder ob ihrer Qualität gelobt. Sie sind die ganze Saison über treu, hart und schnell. Dafür müssen die Mitglieder es nur wenige Tage im Jahr ertragen, dass ihre Grüns „perforiert“ und etwas holpriger zu putten sind. Die Drill & Fill-Maschine treibt nämlich 24 Drillbohrer von 2,5cm Durchmesser ins Grün und transportiert die unter der Grasdecke liegende Erde heraus. So entstehen saubere, bis 30 cm tiefe Löcher im Erdreich. Herkömmliche Aerifizierer dagegen stechen nur 10 bis 15 cm tief und verdrängen das Erdreich lediglich.
Nach diesem Drill-Arbeitsvorgang folgt der „Fill“-Prozess: Die so geschaffenen Belüftungslöcher werden mit feuergetrocknetem Quarzsand befüllt. Anschließend werden die überschüssigen kleinen Sandhäufchen von Hand weggefegt. „Der Effekt dieser Tiefen-Belüftung generiert einen gesünderen Unterboden, womit sich längere Wurzeln bilden.“, sagt Andrew Kelly. „Dank des gelockerten Unterbodens atmet das Grün besser und das gesamte Grün kann sich verfestigen anstatt zu verfilzen.“ Diese Stabilität ermöglicht ein Kürzermähen des Grüns. Ohne Behandlung wäre eine solche gesunde, treue und schnelle Oberfläche nicht möglich. Auch der Drainage-Effekt ist erheblich. Die Grüns sind nach einem Regenguss viel schneller wieder trocken und bespielbar.
Neben dem Einsatz der Drill & Fill-Maschine werden die Grüns regelmäßig durch Aerifizierarbeiten belüftet und entfilzt.
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Die segensreiche Drill & Fill-Maschine im Einsatz auf Grün C 1 am 19. August 2009.

Erst wird gebohrt, dann mit Sand gefüllt.

Ein lockeres Sandgemisch ersetzt das schwere Erdreich und belüftet das Grün, das nun buchstäblich durchatmen kann.

Die überschüssigen Sandhäufchen werden mit dem Besen auf dem Grün verteilt.

Normale Aerifizierer im Einsatz am 16. September 2009 auf Grün B 1.

Auch das Chipping-Grün wurde kurz vor Saisonende, am 28. Oktober 2009, fachmännisch gesandet.
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Vertikutierarbeiten auf den Grüns
Unter Vertikutieren versteht man das Anritzen der Grasnarbe einer Rasenfläche, um Filz (altes Schnittgut) und Moos zu entfernen und die Belüftung des Bodens zu fördern. Der ursprünglich englische Ausdruck ist aus den Wörtern vertical and to cut zusammengesetzt.
Während des Sommers sammeln sich zwischen den Gräsern Mäh- und Pflanzenreste. So verfilzt mit der Zeit die Oberfläche - der Boden dichtet ab, Wasser und Luft und Nährstoffe gelangen nicht mehr an die Rasenwurzeln. Die Graspflanzen wachsen schlechter, und die Rasenfläche sieht krank und ungepflegt aus.

Der erste Vertikutiergang ist im Frühjahr zwischen Mitte April und Anfang Mai zu empfehlen, da der Rasen nach dieser Zeit regenerationsfähig ist und die Oberfläche schnell wieder zuwächst.
Der Boden wird dabei millimetertief durch scharfe, versetzt angeordnete Messerscheiben durch die sog. Graden Backfill Maschine eingeschnitten. Der unerwünschte Rasenfilz und abgestorbene Gräser werden aus dem Boden gerissen. „Backfill“ bedeutet, dass in einem Vorgang der Boden im Anschluss an das Vertikutieren besandet wird.
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